Lea-Sophie | Stockholm, Schweden

Interkulturelle Personalentwicklung und Kommunikationsmanagement

Mein Erasmus-Praktikum am Goethe-Institut Schweden

Das Goethe-Institut ist das weltweit tätige Kulturinstitut der Bundesrepublik Deutschland. Neben sich jährlich wandelnden Fokusthemen gliedern sich die Aufgaben des Goethe-Instituts im Wesentlichen in drei Bereiche. Neben den beiden Säulen Sprache und Information & Bibliothek bildet das Kulturprogramm, in dem ich in meiner Praktikumszeit unterstütze, das dritte Standbein des Instituts. Diesem Bereich gliedern sich alle Aktivitäten unter, die der Pflege der internationalen kulturellen Zusammenarbeit dienen. Dazu werden am Goethe-Institut Stockholm gemeinsame Projekte mit deutschen und schwedischen Kulturschaffenden und Künstlern und in Zusammenarbeit mit anderen europäischen Kulturinstitutionen und Goethe-Instituten der Region Nordwesteuropa durchgeführt. Das Spektrum dieser Kooperationen erstreckt sich über die Sparten bildende Kunst, Musik, Film, Theater und Tanz.

In der Zeit meines Praktikums erhielt ich Einblick in die Konzeption, Planung, Durchführung und Evaluation der kulturellen Programmarbeit. In eine Reihe von Projekten war ich dabei besonders eingebunden. Anlässlich des 100. Geburtstag von Joseph Beuys zum Beispiel veranstaltete das Goethe-Institut ein spartenübergreifendes Schwerpunktprogramm zu Ehren des Künstlers. Ich unterstützte bei der Programmlegung einer Filmreihe in Kooperation mit dem Moderna Museet und recherchierte für einen Hintergrundartikel auf über Joseph Beuys' Wirken in der Düsseldorfer Kunstszene. Nicht zuletzt oblag mir die selbstständige Gestaltung einer Beuys-Themenwoche auf dem Instagram-Kanal des Goethe-Instituts. 

Gemeinsam mit einer schwedischen Kuratorin hatte ich zudem die Möglichkeit, drei musikalische Spaziergänge durch die Stockholmer Innenstadt zu konzipieren. Während die Kuratorin sich um geeignete Musiker für kleine Pop-Up-Konzerte während der Spaziergänge kümmerte, recherchierte ich mögliche Stadtführer mit einem besonderen Fokus auf Kunst und Kultur. Zuletzt begleitete und evaluierte ich einen der Spaziergänge.

Neben der Arbeit in vielen weiteren Projekten gehörte das Verfassen und Übersetzen von Texten zu Veranstaltungen für die Webseite, das digitale Kalendarium, den Newsletter und die sozialen Medien des Goethe-Instituts Schweden zu meinen Routineaufgaben. Ich gestaltete regelmäßig Kulturtipps für den Instagram-Kanal des Goethe-Instituts, verfasste Buchtipps und stellte Veranstaltungs- und Filmempfehlungen für den Sommerpodcast des Instituts zusammen. Darüber hinaus war ich mit der Vorbereitung der Ausstellungseröffnung eines Fotografen in der Bibliothek des Instituts betraut und hatte die Möglichkeit, an dieser teilzunehmen.

Verbesserte Qualifikationen und Fähigkeiten

Während meines Praktikums erwarb ich ein tiefgreifendes Verständnis der Strukturen, Netzwerke und Partner der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik und des Goethe-Instituts. Ich gewann Erfahrung darin, Aufgaben selbstständig zu priorisieren und zu strukturieren und meine Zeit eigenverantwortlich einzuteilen. Da ich coronabedingt überwiegend aus dem Home-Office tätig war und nur an einem Tag pro Woche im Institut arbeitete, erforderte meine Arbeit ein hohes Maß an Eigeninitiative und Selbstständigkeit. Durch die Teilnahme an Meetings und den Kontakt mit schwedischen und europäischen Partnern in meinem Arbeitsalltag konnte ich meine interkulturelle Kompetenz vertiefen und gleichzeitig meine Fremdsprachkenntnisse in den Sprachen Schwedisch und Englisch stärken. Nicht zuletzt konnte ich meine Kenntnis der deutschen und schwedischen Kulturszene erweitern.

Einfluss des Praktikums auf den Verlauf des Studiums und den Einstieg ins Berufsleben

Insgesamt werden mir die Erfahrungen aus meinem Praktikum sicherlich für meine berufliche Zukunft zugutekommen, da ich nun auf eine fundierte Grundlage praktischer Erfahrungen in der internationalen Zusammenarbeit zurückgreifen kann und es auch zu meiner persönlichen Weiterentwicklung viel beigetragen hat. Allerdings hat mir das Praktikum auch aufgezeigt, dass ich mich bezüglich der Arbeitsweise in der freien Wirtschaft wohler fühle als in einer öffentlichen Einrichtung wie dem Goethe-Institut, da ich die bürokratischen und eher hierarchischen Abläufe dort als ausbremsend erlebte. Trotzdem würde ich meine Praktikumsstelle ohne Vorbehalte weiterempfehlen. Obwohl das Praktikum in hybrider Form stattfand, war eine gute Betreuung stets gewährleistet und meine Mentorin bei Fragen immer ansprechbar. Mir wurde als Praktikantin ein hohes Maß an Vertrauen entgegengebracht und Verantwortung übertragen. Zudem fühlte ich mich und meine Arbeitsergebnisse zu jeder Zeit wertgeschätzt; Feedback erfolgte auf konstruktive Art und Weise, wurde aber auch von mir eingefordert und ernst genommen. Alle Kolleginnen und Kollegen begegneten mir überaus freundlich und hilfsbereit.

Fazit

Mein Auslandsaufenthalt hat sich für mich trotz der Erschwernisse und Unsicherheiten durch die Corona-Pandemie persönlich wie beruflich als unheimlich bereichernd erwiesen. Meinen Lernzuwachs in dieser Zeit und auch die vielen persönlichen Eindrücke und Freundschaften, die ich aus Stockholm mit nach Hause nehme, möchte ich auf keinen Fall missen. Ich würde jedem empfehlen, eine solche Erfahrung zu suchen! Stockholm ist vor allem während der langen und hellen Sommertage eine Reise wert. Ein wenig habe ich mich in die wunderschöne Stadt zwischen den Brücken verliebt – das war sicher nicht mein letzter Besuch!