EU-Praktikum THÜRINGEN
Geschäftsstelle des Erasmus+ Konsortiums der Thüringer Hochschulen
TU Ilmenau International Office
Max-Planck-Ring 14
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98693 Ilmenau
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Sprechzeiten
Dienstag 10.00-11.00 Uhr Online-Sprechstunde
Donnerstag 13:00 – 15:00 Uhr, TU Ilmenau, Haus G, Raum 1220
sowie individuell nach Vereinbarung
Sommer, Sonne, Redaktionsschluss – Mein Praktikum an der Costa Blanca
Arbeiten, wo andere Urlaub machen, hieß es für mich drei Monate lang während meines Praktikums in der Redaktion der Costa Blanca Nachrichten in Spanien. Die deutschsprachige Zeitung erscheint einmal die Woche im Print sowie regelmäßig online und richtet sich an deutsche Auswanderer und Touristen an der Costa Blanca.
An meinem ersten Arbeitstag haben mir die Redakteure zum Einstieg kleinere Aufgaben zugeteilt wie Pressemitteilungen in kurze Meldungen zu verwandeln, im Anschluss bekam ich ein leichtes Thema für den ersten Artikel (eine Konzertreihe in Wallfahrtskapellen). Danach ging es relativ schnell in einen normalen Redaktionsalltag über, in den ich mich voll eingebunden gefühlt und meist zwei Artikel pro Woche geschrieben habe. Die Themen hierfür habe ich von meinen Kollegen vorgeschlagen bekommen, diese dann aber selbstständig umgesetzt. Das umfasste Aufgaben wie die Kontaktaufnahme mit den Protagonisten, Interviewführung, Fotos machen sowie den Artikel schreiben und layouten. Im Laufe meines Praktikums habe ich so verschiedene Gattungen von Printartikeln verfasst und Onlineartikel für die Homepage aufbereitet. Auch inhaltlich ist es nicht langweilig geworden, von Ausflugstipps zu Salinen im Süden der Costa Blanca über die Eröffnung eines hochmodernen Erdbebenmuseums bis hin zum Interview mit einem Künstler für Metallskulpturen war alles dabei.
Die Redaktion ist mit sechs festen Redakteurinnen und Redakteuren verhältnismäßig klein, hinzu kommen im Normalfall zwei Praktikanten. Durch das kleinere Team habe ich allerdings auch alle Kolleginnen und Kollegen recht schnell kennenlernt und mich gut integriert gefühlt. Alle waren sehr offen und hilfsbereit, bei Fragen konnte ich mich immer an sie wenden – sowohl beruflicher Natur, als auch wenn es darum ging, wo es die beste Paella gibt. Ich habe das Arbeitsklima als familiär und angenehm wahrgenommen, selbst in stressigen Situationen. Mit den Praktikanten wird respektvoll umgegangen; ich hatte das Gefühl, dass mir als Praktikantin von Anfang an viel Vertrauen entgegengebracht und ich gefordert aber auch gefördert wurde.
Für mich war es von Vorteil, dass ich zuvor schon einige Praktika in journalistischen Redaktionen gemacht hatte, da mir viele Arbeitsabläufe und Aufgaben zumindest bekannt vorkamen – erste journalistische Erfahrungen sind allerdings auch Voraussetzung für das Praktikum. Neu waren für mich vor allem die Aspekte des "Blattmachens", also der Zusammensetzung und der Gesamtgestaltung einer Zeitung. Zwei Mal die Woche traf sich die Redaktion zur Konferenz, in der nicht nur abgesprochen wurde, wer über welche Themen berichtet, sondern auch, wie die Titelseite gestaltet wird, welches Motiv sich als Titelbild eignet oder welche Themen angeteasert werden. Das war Neuland für mich, bisher war für mich meine journalistische Tätigkeit immer nach der Abgabe des Artikeltextes vorbei. Auch Artikel gelayoutet hatte ich vorher noch nie – und das hat mich hin und wieder vor Herausforderungen gestellt.
Verbessert habe ich während des Praktikums außerdem meine Sprachkenntnisse. Geschrieben werden alle Artikel auf Deutsch, Interviews und Recherche finden aber auf Deutsch, Spanisch und Englisch statt. Ich hatte zwar zu Praktikumsbeginn bereits offiziell B2/C1 auf Spanisch – durch die Interviewsituationen für verschiedenste Artikel spricht man auch immer wieder über neue Themen und erweitert so den Wortschatz.
Vom Telefoninterview zu den Tapas - Freizeit und Erlebnisse
Meine Kernarbeitszeiten in der Redaktion waren Montag bis Freitag von 9.30 bis 17.30 Uhr. Die Abende und Wochenenden hatte ich also zur freien Verfügung und habe die Zeit dafür genutzt, die wunderschöne Costa Blanca besser kennenzulernen. Meine Kollegen hatten einige Reiseempfehlungen parat und so haben mich meine Ausflüge in größere Städte wie Valencia, Murcia, Elche und Alicante aber auch in kleinere Orte wie Calpe, Dénia, Villajoyosa und Moraira geführt. Außerdem hat sich die Costa Blanca als echtes Naturparadies mit traumhaften Buchten und Bergdörfern herausgestellt, weshalb ich meine Freizeit gerne mit Schwimmen und Wandern verbracht habe. Auch für Radfahrer und Wassersportenthusiasten ist die Region eine echte Traumdestination – es lohnt sich auf jeden Fall, Sportschuhe und Schwimmsachen (und Wasserschuhe, vorsicht Seeigel!) einzupacken. Viele der sehenswerten Orte durfte ich auch während meiner Arbeitszeit entdecken, wenn ich für Artikel dort unterwegs war; im Praktikum kommt man definitiv viel rum, was ich sehr genossen habe.
Besondere Erlebnisse gab es immer wieder, vor allem hat mich die Feierlustigkeit der Leute vor Ort überrascht. Klingt wie ein Klischee, aber zumindest in der Region, in der ich gelebt habe, waren ständig unterschiedliche fiestas, bei denen Alt und Jung unter freiem Himmel zusammengekommen sind. Das war eine sehr schöne Erfahrung, vielleicht etwas ungewohnt, wenn man aus Deutschland kommt, wo jeder Mucks nach 22 Uhr als Ruhestörung gilt. (Nicht nur) hier hat das Praktikum definitiv meinen kulturellen Horizont erweitert. Ich war zwar bereits vorher schon einige Male in Spanien gewesen, aber die Erfahrung, dort für drei Monate einen Alltag zu haben und zu arbeiten, war unvergleichlich.
Vorbereitung und Tipps
Vorbereitet habe ich mich relativ langfristig auf das Praktikum; meine schriftliche Bewerbung habe ich rund ein Jahr vor Praktikumsbeginn geschickt, die ersten Gespräche mit der betreuenden Redakteurin fanden kurz darauf statt. So hatte ich mehr als ausreichend Zeit, mich für die Erasmus+-Finanzierung für Auslandspraktika zu bewerben, wobei ich beim Ausfüllen der hierfür benötigten Formulare stets Unterstützung von der Redaktion bekommen habe. Ansonsten galt es für mich in der Vorbereitung Fragen wie Kranken-, Unfall-, und Haftpflichtversicherung sowie die Untervermietung meines WG-Zimmer rechtzeitig zu klären.
Das Praktikum an sich ist unbezahlt, dafür wird den Praktikanten eine Wohnung gestellt. In meiner Erfahrung war das viel wert – ich denke, mir für die drei Monate selbst eine Unterkunft zu organisieren, wäre sehr stressig gewesen. Als Praktikant darf man außerdem das Dienstauto auch für private Fahrten wie Supermarkteinkäufe und Ausflüge in die Umgebung frei nutzen.
Hilfreich wäre für mich noch gewesen, mir im Vorhinein besser zu überlegen, wie ich mehr Kontakt zur "lokalen Bevölkerung" knüpfen kann. Meine Kollegen waren in erster Linie Deutsche und bei Interviewterminen und in Alltagssituationen habe ich zwar viel mit Spaniern gesprochen, aber der private Kontakt hat mir etwas gefehlt. Ich habe in einer relativ kleinen, touristisch geprägten Stadt gewohnt, weshalb der Kontakt zu anderen Studierenden eher schwierig war, und meine Freizeit hatte ich bereits mit vielen Ausflügen und Besuchen verplant. Über Sportvereine o.Ä. ist es aber bestimmt möglich, mehr in Kontakt zu kommen. Das würde ich rückblickend anders machen, was aber meiner Empfehlung für das Praktikum keinen Abbruch tut.