Im Jahr 2021 wurde in Thüringen das 750-jährige Jubiläum "Jüdisches Leben in Thüringen" gefeiert. Das Gedenkjahr offenbarte die große Bereicherung, die wir dem Miteinander von Juden und Christen über 700 Jahre verdanken. Zugleich forderte das Jubiläum auch dazu heraus, sich mit den dunklen Kapiteln des Antijudaismus unserer Geschichte auseinanderzusetzen, mit der Geschichte von Verfolgungen und Ausgrenzung.
Exemplarisch dafür steht die Stadt Erfurt in der Mitte des 14. Jahrhunderts. Die heutige Landeshauptstadt von Thüringen war im Mittelalter Heimat einer großen jüdischen Gemeinde. An einem einzigen Tag im März 1349 wurde dieser lebendige Alltag ausgelöscht und über 900 Erfurter Bürgerinnen und Bürger jüdischen Glaubens ermordet.
Der Vortrag widmet sich dem Alltagsleben der jüdischen Gemeinde vor der Katastrophe des Pogroms: Welche Rolle spielten etwa Ehe und Familie, Bildung, Berufe und sozialer Zusammenhalt in der jüdischen Gemeinschaft des mittelalterlichen Erfurt? Aber auch das Pogrom selbst, seine Hintergründe und sein Verlauf sollen beleuchtet werden sowie die stereotypen Vorwürfe, denen Juden im Mittelalter immer wieder ausgesetzt wurden. Dabei - so die These - mag die Kenntnis der Vergangenheit bei der Bewältigung der Herausforderungen der Gegenwart Orientierung bieten.
Dr. Anne Bezzel ist evangelische Diplomtheologin und hat im Fach Kirchengeschichte promoviert. Sie ist als Bildungsreferentin im Erfurter Augustinerkloster und als freie Autorin tätig.
Eintritt: 5 Euro