Generative künstliche Intelligenz (KI) wird zunehmend auch in intimen und sexualbezogenen Kontexten eingesetzt – etwa zur Erstellung von Paarbildern oder in der Paar- und Sexualberatung durch KI-gestützte Dialogsysteme. Gleichzeitig bestehen Vorbehalte gegenüber solchen Anwendungen. Ein bekanntes Phänomen ist der sogenannte Anti-AI Bias, also die Tendenz, von KI erzeugte Inhalte negativer zu bewerten als inhaltsgleiche menschliche Beiträge, unabhängig von deren tatsächlicher Qualität.
Eine aktuelle Studie des Fachgebiets Medienpsychologie und Medienkonzeption der TU Ilmenau untersuchte diesen Effekt in zwei aufeinanderfolgenden Online-Experimenten mit einer bevölkerungsrepräsentativen Stichprobe aus Deutschland (N = 2,658). Den Teilnehmenden wurden identische romantische Paarbilder sowie Auszüge aus sexualbezogenen Paarberatungen präsentiert, die entweder als KI-generiert oder als menschlich erstellt gekennzeichnet waren. Die Ergebnisse zeigen, dass beide Inhalteformen signifikant weniger positiv bewertet wurden, wenn sie als KI-basiert beschrieben waren.
Darüber hinaus wurde analysiert, ob individuelle Einstellungen gegenüber KI und das eigene KI-Wissen diese Bewertungen beeinflussen. Während sich bei den Paarbildern ein moderierender Effekt zeigte, war dies bei den Beratungsdialogen nicht der Fall. Die Studie erweitert die Forschung zum Anti-AI Bias auf den bislang wenig untersuchten Bereich von Intimität und Sexualität und liefert wichtige Hinweise für die Gestaltung und Akzeptanz generativer KI in sensiblen Anwendungsfeldern.
Döring, N., & Mohseni, M. R. (2025). Anti-AI bias toward couple images and couple counseling: Findings from two experiments. Archives of Sexual Behavior. https://doi.org/10.1007/s10508-025-03318-9

