Projektsteckbrief: MESA-Studie

MESA: KI-gestützte Informationsvermittlung zu Menstruation,

Empfängnisverhütung und Schutz vor sexualisierter Gewalt (MESA).

 
Zielsetzung

Das Projekt reagiert auf den Umstand, dass in Deutschland inzwischen die große Mehrheit der jungen Menschen generative und konversationelle Modelle der künstlichen Intelligenz (KI) wie ChatGPT (von OpenAI), Gemini (von Google) oder Meta AI (von Meta) nutzt – und zwar auch für Belange der sexuellen und reproduktiven Gesundheit. 

Im Rahmen des kommunikationswissenschaftlichen Forschungsprojekts MESA soll im Zuge von vier Teilstudien über drei Jahre hinweg (2027–2029) systematisch untersucht werden:

  1. wie junge Menschen KI für Fragen der sexuellen und reproduktiven Gesundheit nutzen (Laborstudie),
  2. welche Merkmale KI-Antworten zu Fragen der sexualisierten Gewalt aufweisen (Textanalyse),
  3. welche Merkmale KI-generierte Bilder zur Empfängnisverhütung aufweisen (Bildanalyse),
  4. welche Merkmale KI-generierte Videos zur Menstruation aufweisen (Videoanalyse). 

Dabei stehen die Themen Menstruation, Empfängnisverhütung und Schutz vor sexualisierter Gewalt im Zentrum.

 
Methodik

Die Untersuchung basiert auf manuellen Medieninhaltsanalysen von Stichproben KI-generierter Texte, Bilder und Videos, die systematisch mit führenden KI-Modellen erstellt werden. 

Zudem wird in einer Laborstudie erkundet, wie junge Menschen tatsächlich mit KI-Modellen umgehen, wie sie Anfragen formulieren und wie sie KI-Outputs interpretieren. 

 
Forschungsteam
  • Prof. Dr. phil. habil. Nicola Döring (Projektleitung)
  • Anastasiia Shevtsova, M.A. (wissenschaftliche Mitarbeiterin)
  • Dr. med. Claudia Schumann-Doermer (medizinische Beratung, Gynäkologie)
 
Fachlicher Projektbeirat

Das wissenschaftliche Forschungsprojekt wird unterstützt durch einen Projektbeirat, der den Forschungsprozess kritisch begleitet und sich im Herbst 2028 zu einem Workshop an der TU Ilmenau trifft.

Dem Projektbeirat gehören fünf Personen an:

  • Prof. Dr. Barbara Kavemann, Honorarprofessorin an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin und Leiterin des Sozialwissenschaftlichen Forschungsinstituts zu Geschlechterfragen SoFFI (Bonn). Sie ist spezialisiert u.a. auf Fragen der sexualisierten Gewalt.
  • Jörg Nitschke, Sexualpädagoge und Sexualberater, Dozent des Instituts für Sexualpädagogik isp (Düsseldorf). Spezialisiert auf Weiterbildungen für Fachkräfte der sexuellen Bildung mit Fokus u.a. auf sexuelle Fragen im Kontext von Medien und künstlicher Intelligenz.
  • Denise Schönnenbeck, Psychologische Referentin bei der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz BzKJ (Bonn). Sie ist spezialisiert auf Fragen des Kinder- und Jugendmedienschutzes und der Prävention von digitaler sexueller Gewalt sowie diesbezügliche Forschung.
  • Mareike Wellner, Sexualpädagogin bei der AWO Beratungsstelle für Schwangerschaftskonflikte, Familienplanung, Paar- und Lebensberatung (Dortmund). Sie ist spezialisiert u.a. auf Fragen der Verhütung und Verhütungsberatung und sexuellen Bildung.
  • Thomas Zenge Wesendonk, Sexualpädagoge bei den Beratungsstellen für Schwangerschaft und Sexualität des AWO Kreisverbandes Wesel. Er ist spezialisiert u.a. auf Jungenarbeit, opferorientierte Täterarbeit und sexuelle Bildung.
 
Wissenschaftliche Relevanz

Menstruation, Empfängnisverhütung und Schutz vor sexualisierter Gewalt sind wichtige Themen der sexuellen und reproduktiven Gesundheit, die im Digitalzeitalter nicht nur in Sozialen Medien verhandelt werden, sondern zunehmend auch unter Rückgriff auf KI-Modelle.

Bislang wurden jedoch entsprechende deutschsprachige KI-Ausgaben und der Umgang mit ihnen noch nicht systematisch wissenschaftlich untersucht. Die MESA-Studie schließt dementsprechend eine Forschungslücke im Bereich der KI-basierten Gesundheitskommunikation.

 
Praktische Relevanz

Die Ergebnisse der MESA-Studie sind darüber hinaus relevant für die sexuelle und reproduktive Bildung und Beratung. Denn nur wenn man weiß, wie KI-Modelle Themen wie Menstruation, Empfängnisverhütung und Schutz vor sexualisierter Gewalt darstellen, kann man junge Menschen dort abholen, wo sie bei diesen Themen stehen. 

Die MESA-Projektergebnisse können dementsprechend helfen, junge Menschen sowie Fachkräfte darin zu stärken, im sensiblen Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheitskommunikation kompetent mit generativen und konversationellen KI-Modellen sowie mit KI-erzeugten Texten, Bildern und Videos umzugehen. 

 
Projektlaufzeit

2027 – 2029

 
Förderung

Unabhängiges Forschungsprojekt, gefördert vom Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG; früher: BZgA)