04.02.2024

The Future is Female: Thüringer Gründungsservices gestalten gemeinsames Gründerinnen-Event

Eröffnung des Female Founders Retreat durch Organisatorin Miriam Köble (Bauhaus-Universität Weimar).
 

Aufgeregtes Gemurmel durchzieht den großen Saal des Rittergut Positz bei Oppurg in Thüringen, hier und da ist Gelächter zu hören, erste Bekanntschaften werden geschlossen und Gemeinsamkeiten festgestellt, während vereinzelt neue Frauen im Veranstaltungsraum ankommen. Der Saal ist gut gefüllt, als pünktlich um 13:30 Uhr eine junge Frau auf das Rednerpult zugeht und alle herzlich begrüßt. Sie blickt in 30 freundliche und interessierte Augenpaare, die gespannt sind, was sie in den kommenden Tagen erwartet.

Die junge Frau am Rednerpult ist Miriam Köble, Gründungsberaterin der Gründerwerkstatt neudeli an der Bauhaus Universität Weimar. Sie hatte die Idee zu einem Wochenende ganz im Zeichen des Female Empowerment, der Unterstützung und Befähigung von Frauen, die sich beruflich selbstständig machen und gründen möchten. Gemeinsam mit den Gründungsservices K1 der Friedrich-Schiller-Universität Jena und dem Ilmkubator der Technischen Universität Ilmenau wurde in den letzten Wochen und Monaten viel geplant, organisiert und neu gedacht. Am Ende des Wochenendes, in zwei Tagen, werden Miriam Köble und ihre Kolleg:innen der Thüringer Hochschulen begeistert sein vom Engagement und den positiven Rückmeldungen der Teilnehmerinnen, von einzigartigem Austausch und dem wertschätzenden Miteinander.

 
Gemeinsam wird an den Gründungsprojekten gearbeitet, angeleitet von den erfahrenen Mitarbeitenden der Gründungsservices.

Die eigenen Gründungsprojekte im Blick

Fünfundzwanzig Teilnehmerinnen zählt das erste sogenannte Female Founders Retreat, das an diesem Wochenende im Rittergut stattfindet: Ein dreitätiges, intensives Netzwerk- und Weiterbildungsprogramm, das exklusiv für gründende Frauen der Universitäten Jena, Weimar und Ilmenau organisiert wurde. Fernab des Alltags können sie sich in der naturnahen Umgebung ganz auf ihre Gründungsprojekte konzentrieren. Begleitet werden sie von sechs Mitarbeitenden der Gründungsservices Ilmkubator (Technische Universität Ilmenau), des K1 (Friedrich-Schiller-Universität Jena) und der Gründerwerkstatt neudeli (Bauhaus Universität Weimar). Möglich gemacht wird das einmalige Programm durch die Förderlinie „EXIST-Women“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz. „Das Retreat ist ein Herzensprojekt, das wir schon lange im Kopf hatten.“, sagt Miriam Köble. „Es ist schön, dass es durch die EXIST-Förderung und das Engagement meiner Kolleginnen und Kollegen nun endlich umgesetzt werden konnte.“

Auf dem Tagesplan stehen neben Freizeitangeboten wie einer Fackelwanderung und einer Führung über das Rittergut vor allem Vernetzungsangebote und fachliche Workshops. So können sich die Teilnehmerinnen unter anderem zu den Themen Preisbildung, Finanzstrategien und soziale Innovationen weiterbilden. Aber auch Fähigkeiten wie Zeit- und Selbstmanagement, Kreativität und unternehmerische Eigenschaften werden in Workshops gefördert. Die Prämisse, selbst ins Handeln zu kommen und Erlerntes direkt und im Austausch mit anderen anzuwenden, steht dabei im Mittelpunkt.

Aktiv werden die Teilnehmerinnen und Gründungsberater:innen auch bei täglichen Sportangeboten, die von angehenden Gründerinnen durchgeführt werden. Diese planen eine Selbstständigkeit im Gesundheitsbereich und konnten ihre Konzepte direkt an und mit potentiellen Kundinnen ausprobieren.

 
Erfahrungsaustausch und Netzwerken sind beim Female Founders Retreat zentrale Elemente.

Netzwerken als zentrales Element

Das Programm ist eng getaktet, dennoch bleibt Zeit zum individuellen Austausch und das ein oder andere kurze Beratungsgespräch. Zugehörigkeiten zu Hochschulen spielen an diesem Wochenende keine Rolle; auch verschiedene Lebensentwürfe, Herkunft, Gründungsthema oder Bildungsabschluss sind nebensächlich. „Es gibt wundervolle Frauen, die die Welt gestalten wollen, wertungsfrei und bestärken - direkt in der Stadt nebenan.“, fasst eine Teilnehmerin ihre Erfahrungen zusammen. Eine andere ergänzt: „Es ist gleich ein Hilfsnetzwerk entstanden durch den kooperativen Austausch mit den anderen Frauen. Man hat sich sofort wohlgefühlt und konnte seine Ideen selbstbewusst kommunizieren.“ Sie gehe nun inspiriert, motiviert und mit vielen Reflexionsfragen nach Hause, sagt sie.

Auch die Gründungsberater:innen aus Weimar, Jena und Ilmenau sind beeindruckt von der Zusammenarbeit der Frauen und zeigen sich begeistert vom Erfolg des Female Founders Retreat: „Als Gründungsservices in Thüringen sind wir im Thüringer Hochschulgründungsnetzwerk StarTH vernetzt und arbeiten eng zusammen. Dieses Miteinander wollen wir auch unseren Gründer:innen näherbringen.“, sagt Berater Ede Möser aus Jena. Seine Kollegin Franziska Dettke aus Ilmenau pflichtet ihm bei: „Wir beginnen zunächst damit, unsere Angebote für alle Standorte zu öffnen und würden uns freuen, Formate wie das Retreat zu wiederholen. Wir planen ein Wiedersehen im Sommer und vielleicht feiern wir den Abschluss der Projekte im Herbst gemeinsam.“

Aufgeregtes Gemurmel durchzieht den großen Saal des Rittergut Positz bei Oppurg in Thüringen, hier und da ist Gelächter zu hören. Aus Fremden sind innerhalb weniger Tage Vertraute geworden, denen der Abschied nun sichtlich schwerfällt. Doch sie wollen in Kontakt bleiben, haben bereits Chatgruppen geöffnet, Daten ausgetauscht und über gemeinsame Termine beratschlagt. Alle sind sich einig: Das Female Founders Retreat war eine lohnende Erfahrung und sie freuen sich auf ein Wiedersehen im Sommer.

 


 

Über „EXIST-Women“

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) baut die Start-up-Förderung für Unternehmerinnen und Gründerinnen aus dem wissenschaftlichen Umfeld aus. Dazu wurde das etablierte Förderprogramm EXIST um die neue Förderlinie „EXIST-Women“ erweitert. Die neue Programmlinie zielt darauf ab, Frauen an Hochschulen und Forschungseinrichtungen zu ermutigen, den Weg in die unternehmerische Selbstständigkeit zu wagen, so dass zukünftig mehr Frauen als Geschäftsführerinnen und Gesellschafterinnen von innovativen Unternehmensgründungen fungieren. Bislang ist der Frauenanteil bei Start-up-Gründungen in Deutschland mit rund 20 Prozent (Female Founders Monitor 2022) nach wie vor gering, weshalb ein wesentlicher Teil des vorhandenen Gründungspotentials nicht ausgeschöpft wird. Der Bund stellt in 2023 insgesamt 6,5 Millionen Euro für die neue Programmlinie zur Verfügung, 110 Hochschulen aus ganz Deutschland werden in der Linie „EXIST-Women“ gefördert.

EXIST-Women in Thüringen

Die Universitäten der Standorte Ilmenau, Jena, Weimar sowie die Hochschule Nordhausen hatten sich im vergangenen Jahr um die Förderung „EXIST-Women“ des BMWK beworbenAnschließend konnten sich Frauen aus dem Hochschulkontext auf die begrenzten Plätze im Programm bewerben und wurden jeweils in Juryverfahren ausgewählt. Sie erhalten bis Ende November 2024 eine Förderung aus Beratung- und Weiterbildungsangeboten sowie optional finanzieller Unterstützung. Die Hochschulen gestalten ihre Programme unabhängig voneinander, möchten aber die Vernetzung innerhalb der Standorte intensivieren.

 
Das Female Founders Retreat wurde organisiert von den Gründungsservices der Universitäten Ilmenau, Jena und Weimar. Gefördert in der Linie "EXIST-Women" des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz.