Die 3D Particle Tracking Velocimetry (PTV) ist ein Strömungsmessverfahren, bei dem mehrere Kameras die Bewegung von Tracerpartikeln in einem Beobachtungsvolumen aufnehmen und daraus das momentane Geschwindigkeitsfeld rekonstruieren. Diese Technik wurde bisher nur in relativ kleinen Messvolumina und vorwiegend in Flüssigkeiten angewendet. Im Rahmen des Forschungsvorhabens soll das 3D PTV Verfahren für sehr große Messvolumina in Luft-Konvektionsströmungen, wie sie beispielsweise im Inneren der Passagierkabinen großer Verkehrsflugzeuge auftreten, weiterentwickelt werden. Dazu soll ein omnidirektionales stereoskopisches Aufnahmesystem mit vier Kameras und spezieller Volumenbeleuchtung Bildsequenzen von groß-skaligen Strömungsstrukturen in einer zylindrischen Messzelle mit 7 m Durchmesser und 7 m Höhe aufnehmen. Aus diesen Bildsequenzen werden mit Methoden der digitalen Bildverarbeitung charakteristische Trajektorien bestimmt und daraus eine bildliche Darstellung der kohärenten Strömungsstrukturen rekonstruiert. Das zu entwickelnde Messsystem soll am Turbulenzforschungsgerät "Ilmenauer Fass" zur systematischen Untersuchung groß-skaliger Strömungsstrukturen für das Referenzbeispiel Rayleigh-Bénard- Konvektion bei variablen Rayleigh-Zahlen und Aspektverhältnissen eingesetzt werden. Damit können grundlegende Fragen zur Rolle der kohärenten Strukturen beim Wärmetransport in natürlichen Konvektionsströmungen beantwortet werden. Darüber hinaus eröffnet das bildgebende Messverfahren neue Möglichkeiten bei der Untersuchung von Raumluftströmungen und Brandsimulationen. --- Prinzip des 3D PTV Verfahrens Das 3D PTV Verfahren ist eine flexible Technik zur Bestimmung von zeitaufgelösten, räumlichen Geschwindigkeitsfeldern, die durch geeignete Partikel visualisiert werden. Durch die Aufnahme und Auswertung einer Bildsequenz können Partikelbahnen rekonstruiert werden. Zur Bestimmung der 3D Koordinaten aller Partikel zu allen Epochen muss eine Mehrbildauswertung durchgeführt werden. Hierzu werden mehrere synchronisierte Kameras verwendet, oder eine Kamera, welche mehrere Teilbilder über Strahlteiler aufnimmt. Um während der räumlichen Zuordnung die Mehrdeutigkeiten minimieren zu können, ist der Einsatz eines 3- oder 4-Kamerasystem sinvoll (MAAS 1992). Mehr info --> --- Phase I: Testzelle "Ilmenauer Modellraum" Die ersten Forschungsarbeiten fanden in einer rechteckigen Zelle mit den Maßen (L/B/H) 4,2 m x 3,0 m x 3,6 m statt. Dabei wurden die einzelnen Komponenten des 3D PTV Systems getestet und anschließend Validierungsmessungen mit Modellströmungen durchgeführt. Kameras Die Auswahl der Kameras erfolgte aufgrund der erforderlichen hohen räumlichen Auflösung. Die CANON EOS 20D ist eine digitale 8 MPix Spiegelreflexkamera, die kombiniert mit einem Weitwinkelobjektiv (CANON EF-S 10-22mm) optimal das Messvolumen im "Ilmenauer Fass" abbildet. Mit der Kamera können im Reihenbildmodus bis zu 5 Bilder pro Sekunde aufgenommen werden. Beleuchtung Um auswertbare Bilder von kleinen, sich in einem großen Volumen bewegende Partikel zu bekommen, benötigt man Lichtquelle(n) mit sehr hoher Intensität. Allerdings dürfen die Lichtquellen keine Wärme erzeugen, weil dadurch in dem Messvolumen die Konvektionsströmung beeinflusst wird. Es wurden mehrere Lichtquellen getestet und dabei Studioblitzlampen als am besten geeignet ausgewählt. Sie haben eine hohe Blitzintensität, kurze Ladezeiten und belasten die Konvektionsströmung nur minimal. Partikel Für die Visualisierung von Luftströmungen sind sogenante Tracer-Partikel notwendig. Diese Partikel "schwimmen" in der Strömung und zeigen uns die Bewegung der Fluidelemente orts- und zeitabhängig an. Da man die Strömung analysieren möchte, aber nicht die Bewegung der Tracer-Partikel, sollten diese der Strömung schlupffrei folgen. Einerseits müssen sie die gleiche Dichte wie das strömende Fluid haben und eine geringe Größe, damit ihr Strömungswiderstand und ihre Trägheit nicht zu groß sind (Stokes-Zahl). Andererseits sollten sie aber groß genug sein, um von der Kamera auch aus größerer Entfernung sicher detektiert werden zu können. Als dichte-neutrale Partikel setzen wir mit Helium gefüllte Seifenblasen ein. Für dessen Herstellung wurde an der TU Berlin von der Gruppe von Prof. Müller ein Blasengenerator entwickelt, der in der Lage ist, über mehrere Stunden eine ausreichende Menge von Blasen herzustellen. Phase II: "Ilmenauer Fass" In Vorbereitung! Fördermittelgeber: DFG Zeitraum 01.11.2005 - 31.09.2009 Partner: TU Dresden, Prof. Dr. H.-G. Maas, DI T. Putze TU Berlin, Prof. D. Müller, DI R. Rank Bearbeiter: Dr. C. Resagk DI E. Lobutova
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