Erik | Grenoble, Frankreich

Physik

Forschung in Optischer Physik

Allgemeines
Mitten in den Alpen gelegen, ist Grenoble insbesondere für sportbegeisterte und abenteuerlustige Student*Innen unglaublich reizvoll. Wenn du Spaß am Wandern, Radfahren, Klettern oder Skifahren usw. hast, ist Grenoble also die richtige Adresse. 
Die Stadt selbst ist bedeutend größer als die rund 160 000 Einwohner*Innen nach Wikipedia vermuten lassen (in dem Tal, in dem Grenoble liegt, wohnen über 400 000 Menschen), und vom Stadtbild oder in kultureller Hinsicht bedeutend weniger ansprechend als manch andere französische Großstadt (meine Meinung), dennoch gibt es hier, auch wegen der riesigen Uni, immer viel Leben, viele soziale und kulturelle Ereignisse und zahlreiche Bars und Restaurants um einen schönen Abend zu verbringen.


Meine Gründe für Grenoble
Ich habe von 2023 bis 2024 bereits zwei Semester an der Universität in Grenoble studiert, und habe in dieser Zeit großen Gefallen an der Stadt, der Kultur und den Menschen hier gefunden. Auf der Suche nach einem Auslandspraktikum war Grenoble daher meine bevorzugte Adresse. Nachdem ich dann noch das Glück hatte, ein spannendes Forschungsthema in meinem Interessengebiet der Physik zu finden, war die Entscheidung gefallen.


Der Praktikumsalltag
Ich habe mein Praktikum am Centre de Radiofréquences, Optique et Micro-nanoélectronique des Alpes, kurz CROMA gemacht. Das ist ein Forschungszentrum das teilweise der Uni und teilweise dem CNRS untersteht. Die Arbeitsgruppe, in der ich mitwirken durfte, beschäftigt sich mit integrierter Optik für Anwendungen in Computing und Authentifizierung. Meine Aufgaben waren sehr vielseitig, von Simulationen am Computer und Messungen im Labor bis in zur Herstellung optischer Chips im Reinraum. Besonders gut gefallen hat mir außerdem die Atmosphäre im Institut. Die Stimmung war sehr gesellig, die Kolleg*innen enorm hilfsbereit. Arbeitszeiten sind häufig flexibel. Für die meisten beginnt der Arbeitstag zwischen 8 und 9 Uhr und endet zwischen 16 und 18 Uhr. Zwar werden in Frankreich in der Regel nur 35 Stunden pro Woche gearbeitet, aber lange Mittags- und Kaffeepausen sorgen häufig dafür, dass man sich deutlich länger vor Ort aufhält. Mir hat das sehr gefallen, weil der Arbeitsalltag dadurch ein bisschen entschleunigt wurde, nach dem Mittagessen wurde nicht selten noch zusammen Karten gespielt oder geplaudert, und insgesamt war die Stimmung auf der Arbeit so eher entspannt. Zudem wurden gelegentlich kleine Events organisiert, auch von Seiten der Doktoranden, sodass man auch Gelegenheiten hatte, die Kolleg*innen nach der Arbeit besser kennenzulernen. Insgesamt würde ich den Arbeitsalltag also als sehr angenehm und abwechslungsreich bezeichnen, und ich habe schnell angefangen mich in meinem Arbeitsumfeld wohlzufühlen. 
Sehr wichtig zu erwähnen ist hier allerdings, dass ich einigermaßen gut Französisch spreche, und mich auch hauptsächlich auf Französisch unterhalten habe. Allgemein habe ich den Eindruck, das Englisch hier deutlich weniger verbreitet ist, als man das in einem naturwissenschaftlichen Forschungszentrum erwarten würde. Zwar hatten wir auch andere internationale Praktikant*innen, die kein Französisch sprachen und damit zurechtkamen, aber ich würde sehr empfehlen, sich vorab um ein bestmögliches Niveau in Französisch zu bemühen.

 

Unterkunft
Die meisten internationalen Studierenden wohnen in Wohnheimen von CROUS. Vorteile: Du bekommst ziemlich sicher einen Platz (wenn du ihn rechtzeitig beantragst) und sie sind oft günstig. Es gibt sowohl WGs als auch Einzelwohnungen. Nachteile: Sie sind oft sehr klein, nicht immer in bestem Zustand und die Chance, dass deine Mitbewohner*Innen eher verschlossen sind, ist nach meiner Erfahrung sehr hoch. Zusammengefasst, wenn du nur eine einfache, günstige Bleibe suchst vollkommen in Ordnung, für mehr solltest du dich vielleicht woanders umschauen. Es gibt aber auch riesige Unterschiede innerhalb der Crous. Unter den Crous Wohnheimen sind das Maison d'Étudiantes oder Teralis sind deutlich besser als Ouest oder Berlioz. In einem ersten Jahr in Grenoble war ich in einer Crous-Unterkunft, bei meiner Rückkehr für das Praktikum habe ich mich jedoch privat um eine Wohnung gekümmert. Ich habe dafür fast 200€ mehr gezahlt pro Monat, allerdings auch deutlich komfortabler und geselliger gelebt. Aber egal ob Crous oder nicht, am Ende bleibt es immer ein bisschen Glücksache. Auch Umziehen im Semester ist noch möglich. Ganz wichtig: Du kannst Wohngeld (CAF) beantragen. Die Antragstellung nervt, aber bleib unbedingt dran, es lohnt sich.

 

Freizeit
Erkundige dich unbedingt vor deiner Anreise auf Insta oder der Uniwebsite nach den Veranstaltungen von Integre. Der Verein organisiert eine Vielzahl an Events, um internationalen Studierenden den Start zu erleichtern. Dort erhältst du viele wichtige Tipps und Infos für das Leben in Grenoble und triffst auf Partys und Ausflügen wahrscheinlich einen Großteil deiner zukünftigen Freunde. Ich kann empfehlen, so viele Veranstaltungen wie möglich zu besuchen! Unentbehrlich zum Skifahren ist die U-Glisse-Karte, die dir sehr günstige Skipässe sowie den Transport zum Skigebiet ermöglicht. Zudem gibt es die U-Grimpe-Karte für Kletterbegeisterte. Auch die Emblem-Karte empfiehlt sich. Sie kostet 25 € und bietet zahlreiche Vergünstigungen oder Gratis-Dinge in Restaurants und Bars der Stadt, sowie in den Skigebieten.

 

Kosten und Gehalt
In Frankreich bekommst du ein kleines Praktikumsgehalt von etwa 660€ (4,35€ pro Stunde), wenn dein Praktikum mindestens 3 Monate lang ist. Kürzere Praktika dürfen unbezahlt sein. Natürlich kannst du je nach Arbeitgeber auch mehr bekommen, das ist nur das gesetzliche Minimum. In Kombination mit einem Erasmus-Stipendium kommt man damit sehr gut klar.
Der dominierende Faktor bei den Kosten sind wohl die Mieten. In den Wohnheimen kannst du durchaus Zimmer für unter 300€ im Monat bekommen (ich habe für eine private WG allerdings 280€ im Crous gezahlt, in der privaten WG dann 460€). Es wird aber je nach Wohnheim und Wohnung, und insbesondere, wenn du außerhalb der Crous Wohnheime schaust auch schnell deutlich teurer. Wie bereits erwähnt lohnt es sich das Wohngeld CAF zu beantragen, was die Miete in jedem Fall deutlich mindert. Lebensmittel, Kleidung und sonstige alltägliche Dinge sind meist etwas teurer als in Deutschland, aber nicht dramatisch. Was meinem Geldbeutel richtig weh getan hat, waren Ausgaben für die Freizeit. Insbesondere das Skifahren und die dazugehörige Ausrüstung ging auch mit U-Glisse-Karte ordentlich ins Geld, aber das war es absolut wert. Auch Barabende sind nicht gerade günstig. Zusammengefasst solltest du ein bisschen mehr Budget einplanen als du in Deutschland gebraucht hast. Wie viel mehr hängt dann stark von deinen Freizeitaktivitäten ab.

 

Nützliche Websites
Alles zu deinen Kursen (Modulkatalog, Kursbeschreibungen):
•    https://formations.univ-grenoble-alpes.fr/fr/index/recherche-par-disciplines.html


Hier findest du viele Infos zum Studieren in Frankreich und regelst z.b. alle Angelegenheiten bezüglich deiner CROUS-Wohnung. 
•    https://www.messervices.etudiant.gouv.fr/envole/


Private Wohnung finden: 
•    https://www.lacartedescolocs.fr/ (so wie WG-gesucht) 
•    https://www.leboncoin.fr/ (das französische EBay)


Wohngeld:
•    https://www.caf.fr/


Unisport:
•    https://suaps.univ-grenoble-alpes.fr/


Wichtige Instagram-Seiten:
•    association.integre
•    iloveerasmusgrenoble
•    eve.grenoble